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Kamehameha der Große

Das Hawaii eine schöne tropische Insel ist, ist eigentlich jedem bekannt, aber wer weiß denn schon, dass die Hawaiianer einst einen König hatten der wahrlich “der Große” genannt werden kann?

Wer hat schon einmal etwas von einem König gehört der gleichzeitig ein großer Krieger, ein Modernisierer, ein Priester, ein Farmer, ein General, ein Surfer, ein Gelehrter, ein Waffenschmied, all dies und noch einiges mehr war? Selbst der von den Deutschen verehrte Friedrich der Große kann nicht mit solch einer Liste aufwarten.

Kamehameha I., wurde höchstwahrscheinlich im Jahr 1758 geboren, in diesem Jahr war der Halleysche Komet von Hawaii aus zu sehen. Seine Geburt war von alten hawaiianischen Legenden angekündigt worden, die besagten, dass dereinst ein großer König unter einem "vorbei ziehenden Stern" geboren werde, der die Götter auf seiner Seite haben und die Inseln vereinigen werde. Schon sein Name spiegelte seinen kommenden Weg wieder. Kamehameha bedeutet, “der welcher alleine läuft” und in der Tat hatte er einen langen beschwerlichen Weg zu gehen bis die hawaiianischen Inseln vereinigt waren.

Er war der Neffe von Kalaniʻopuʻu, jenes Häuptlings der Insel Hawaii oder Big Island, bei dessen versuchter Festnahme James Cook getötet wurde. Nach dem Tod seines Onkels im Jahr 1781 wurde sein Cousin Kiwalaoi Häuptling der Insel. Kamehameha bekam nur einen der Distrikte von Big Island und wurde der Wächter und Hohepriester des Kriegsgottes Kukailimoku. Diese Kombination legte jedoch den Grundstein für die kommenden Auseinandersetzungen die zur Vereinigung der Vulkaninseln führte.  

In Hawaii waren die Legenden die seine Geburt umrankten jedermann bekannt. Sein Onkel glaubte so sehr daran, dass er zunächst den Tod des Jungen wollte. Seine Mutter brachte ihn deswegen im Geheimen zur Welt und versteckte ihn die ersten 5 Jahre seines Lebens. Erst nachdem Kalaniʻopuʻu seine Sicherheit garantiert hatte, kehrte sie mit ihrem Kind an den Hof des großen Häuptlings zurück. In der Tat erwies sich der junge Krieger als eine Person von großem Mana. Selbst unter den größten Kriegern fiel er mit seinen 2,10 Meter Körpergröße auf. Kaum jemand war ihm körperlich gewachsen. Aber nicht nur als Kämpfer tat er sich hervor, er war ebenfalls sehr lernbegierig und hatte großes Interesse an allem Wissen dessen er habhaft werden konnte. In den kommenden Begegnungen mit den Kolonialmächten sollte ihm seine Faszination für alles Neue noch sehr zu Nutzen sein. Großes Interesse hatte er auch am Surfen und er soll geschickter mit dem Longboard die großen Wellen geritten haben als irgendein anderer Krieger. Insgesamt war er wohl ein Mann mit sehr großem Charisma und viele Krieger der Insel suchten seine Nähe.

Aufgrund der Ernennung Kamehamehas zum Wächter des Kriegsgottes und Kiwalaoi zum Häuptling der Insel hatte der alte Chief sein Reich de facto zwischen den beiden aufgeteilt. Leider hatte er dabei seinen jüngeren Sohn komplett ins Abseits gedrängt, dem fiel daraufhin nichts besseres ein als mit ein paar Kriegern einige Gefolgsleute von Kamehameha zu töten. Als Antwort darauf beging der neue Wächter des Kriegsgottes ein Ritual das eigentlich nur Häuptlingen und Königen vorbehalten war. Daraufhin griff Kiwalao ebenfalls zu den Waffen. Als Ergebnis lag der Häuptling der Insel tot auf dem Schlachtfeld und Kamehameha hatte seinen ersten großen Sieg errungen. Der Sieg sicherte ihm die nordwestliche Seite von Big Island, er ernannte sich daraufhin zum König der gesamten Insel und heiratete die Tochter des toten Häuptlings um seiner Herrschaft Legitimität zu verleihen. Sein Cousin und einer seiner Onkel beherrschten den anderen Teil der Insel. Kamehameha zog direkt nach der Hochzeit gegen Sie in die Schlacht und verlor diese und ebenso alle folgenden der nächsten Jahre. Der kommende Herr der Vulkaninseln ließ sich allerdings nicht von diesen Niederlagen entmutigen sondern lernte aus ihnen und entwickelte neue Taktiken, wie das Ausbilden von speziellen Schocktruppen und konnte so langsam Big Island erobern. Allerdings war dies noch nicht genug um die anderen Inseln zu erobern. 

Die Wende brachte schließlich die Ankunft des aus Nord-Amerika stammenden Handelsschiffes Elenora. Die Mannschaft des Schiffs war auf Oʻahu überfallen und ein Mitglied der Crew ermordet worden. Als Revanche tötete die Mannschaft des Schiffs daraufhin Hunderte Stammesmitglieder die sich ihnen mit Kanus zum handeln näherten, im sogenannten Oʻahu Massaker und stach bald darauf in Richtung Amerika in See. Wenige Wochen danach ohne Wissen von dem Vorfall tauchte das Schwesterschiff der Elenora, die The Fair American vor der Küste von Big island auf. Ein paar Krieger vor Ort wollten Rache üben und enterten das Schiff und töteten alle bis auf Isaac Davis. Als jener in das Lager Kamehamehas gebracht wurde traf er auf John Young von der Elenora der kurz nach dem Oʻahu Massaker von ein paar Kriegern gefangen genommen worden war. Beide Männer traten nun vor Kamehameha. Wie Davis später berichtete, hatte er große Angst, dass der hühnenhafte König sie beide hinrichten lassen würde oder sogar direkt eigenhändig erschlagen. Doch es kam anders. Kamehameha bot ihnen zwei Möglichkeiten, entweder seine Armee mit Feuerwaffen auszustatten, zu trainieren und gleichzeitig Mitglieder seines Hofes werden oder zu sterben. Sie entschieden sich selbstverständlich für ersteres. Der König machte sie daraufhin zu Häuptlingen und stattete sie mit Ehefrauen, Ländereien und Reichtümern aus und die zwei Europäer machten sich ans Werk. Nachdem sie in westlichen Infanterie und Artillerie Taktiken seine Armee ausgebildet und seine Kriegskanus mit Kanonen ausgestattet hatten, machte sich Kamehameha ans Werk die übrigen Inseln zu erobern. In einem langwierigen Feldzug, einer Revolte auf der Hauptinsel später und der Mobilisierung einer 600 Kriegskanus starken Flotte, zweier europäischer Schiffe, eines davon die “The Fair American” gelang es ihm schließlich alle Inseln bis auf Kauaʻi einzunehmen. 

Um weiteres Blutvergießen zu verhindern traf sich der König mit dem Häuptling von Kauaʻi um zu verhandeln und tatsächlich unterwarf sich im Jahr 1810 Kaumualiʻi , im Gegenzug konnte er all seine Besitzungen und seine Stellung behalten. Kamehameha war daraufhin der alleinige König der Inseln.

Nun wurde aus dem großen Krieger ein König des Friedens. Er half eigenhändig die Kriegs geplagten Länder wieder aufzubauen und wurde oft dabei beobachtet wie er half Felder zu bestellen und Saatgut auszubringen. Den Frieden sicherte er für alle Zukunft mit dem Gesetz “zum gebrochenen Paddel”. Ein Jahrzehnt zuvor hatte Kamehameha zwei unbewaffnete Fischern überfallen, sein Fuß war jedoch als er angreifen wollte in einer Felsspalte stecken geblieben. Einer der beiden Fischer ergriff daraufhin ein Paddel und zerschlug es dem König über seinem Kopf, welcher ohnmächtig umfiel und die beiden Fischer fliehen konnten. Jene beiden Fischer ließ er auf den von ihm beherrschten Inseln suchen und als er sie fand vor sich bringen. Die beiden Männer um ihr Leben fürchtend, konnten ihren eigenen Augen nicht trauen, als der König sich vor ihnen niederwarf und um ihre Vergebung bat. Er habe ihnen großes Unrecht angetan indem er sie überfallen hatte und erließ ein Gesetz das von nun an alle Überfälle auf Zivilisten bei Todesstrafe verbot. Jahrhunderte voll Leid der Zivilbevölkerung waren somit beendet.

In den kommenden Jahren florierte daraufhin der Handel und Kamehameha richtete Handelsexpeditionen bis ins ferne China aus und knüpfte hervorragende Kontakte zum englischen Königshaus und in die USA. Die Verbindung mit den beiden Ländern symbolisiert auch die Flagge die er für seinen Staat auswählte. Der britische Union Jack mit den der amerikanischen Flagge nachempfundenen Streifen. Ein Streifen für jede Insel von Hawaii. Jene Flagge weht auch heute noch über Hawaii. Die Vulkaninseln konnten unter seiner Herrschaft so stark aufblühen und waren so gefestigt, dass es allen Kolonialmächten bis ins Jahr 1898, der Annexion durch die USA, trotzen konnte. 

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